Multiple Sklerose
Ratgeber Multiple Sklerose
Was ist Multiple Sklerose?
Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS), das aus Rückenmark und Gehirn besteht. Diesem kommen zahlreiche Aufgaben zu, z. B. die Aufnahme innerer und äußerer Reize sowie die Organisation aller motorischen Funktionen. Seine Operationsweise lässt sich mit einer zentralen Schaltstelle vergleichen, die elektrische Signale über die von einer Isolierschicht – dem sog. Myelin – umgebenen Nervenzellfortsätze besonders schnell weitergibt (saltatorische Erregungsleitung).
Schädigung der Nervenzellfortsätze
Bei MS wird die Myelinschicht der Nervenzellfortsätze von autoaggressiven Abwehrzellen des Organismus zerstört, sodass die aus der Schaltzentrale kommenden Signale nur noch langsam bzw. überhaupt nicht mehr an ihren Bestimmungsort weitergeleitet werden können. Der Mediziner spricht von einer Demyelinisierung oder Entmarkung der Nervenzellfortsätze, die an unterschiedlichen – multiplen – Stellen des ZNS auftreten kann und zur Entstehung von verhärtetem Narbengewebe (gr. skleros = hart) führt.
Eine Krankheit mit 1.000 Gesichtern
Da im Prinzip jede Stelle des ZNS von den autoaggressiven Antikörpern befallen werden kann, ist infolge der MS-Erkrankung das Auftreten vieler unterschiedlicher neurologischer Symptome möglich – z. B. Lähmungen der Extremitäten, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie und Tremor), Schwindel, Sprachstörungen, Schmerzen der Gliedmaßen, chronische Müdigkeit (Fatigue), Sehstörungen u. v. m. Wichtig ist hierbei der Begriff des Schubs, der das (Wieder-)Auftreten neurologischer Symptome bezeichnet, die länger als 24 Stunden anhalten, und anhand dessen sich verschiedene Krankheitsverläufe bestimmen lassen. Schübe werden durch beschwerdefreie Zeiträume von mindestens 30 Tagen voneinander abgegrenzt.
Verlaufsformen der MS
Von einem chronisch-progredienten bzw. primär-chronischen Verlauf spricht man, wenn die MS-Erkrankung schleichend beginnt und eine kontinuierliche Verschlechterung des Gesundheitszustands erfolgt. Die einzelnen Symptome, von denen der Patient beeinträchtigt wird, bilden sich bei dieser Verlaufsform nicht zurück. Anders bei der schubförmig-remittierenden Variante. Hier treten neurologische Symptome für einige Tage bis Wochen auf, um sich dann wieder vollständig bzw. teilweise zurückzubilden. Die sekundär-progrediente bzw. chronisch-progrediente Verlaufsform vereinigt die o. g. Erscheinungsweisen der MS: Nach einem anfänglichen Schubverlauf mit (un)vollständiger Symptomrückbildung kommt es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der neurologischen Defizite, die sich dann auch nicht mehr zurückbilden.
Wer ist betroffen?
Laut Angaben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) leben in der BRD mehr als 120.000 an MS erkrankte Menschen. Jährlich kommen ca. 2.500 Neuerkrankungen hinzu, wobei doppelt so viele Frauen wie Männer betroffen sind. Die Ursache hierfür ist noch ungeklärt. Fest steht jedoch, dass die Erkrankung i. d. R. zwischen dem 20. und 40. Lebensjahrzehnt erstmalig auftritt. Diagnosen nach dem 60. Lebensjahr gelten eher als Ausnahme.
msf